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Läuft leicht. Läuft locker. Aber läuft es auch gut?

Texte können unterschiedliche Geschwindigkeiten haben. Genauer gesagt: Die Leserinnen und Leser lesen Ihren Text unterschiedlich schnell.

 

Ich demonstriere Ihnen die Tempo-Unterschiede zunächst mit einem etwas langwierigen Satzgebilde, weil viele Menschen schreiben, ohne sich Gedanken um das Momentum ihrer Texte zu machen, indem sie einfach drauflos schreiben, was sie sagen wollen – der Leser wird daran wohl Interesse haben, schließlich steht doch alles in dem Satz und außerdem möchte man doch nicht ewig an jedem Satz herumformulieren.

 

Wie finden Sie das? Wirkt etwas unbearbeitet, ohne klaren Fokus. Aber noch lesbar.

 

Hier ein weiteres Demo-Satzgebilde im Stil der scheinpräzisen Akademiker-Sprache … 

 

Diesen Text konstruiere ich als Selbstdemonstration dessen, auf welche Weise viele Textproduzenten ihre Sätze typischerweise konstruktiv angehen, die trotz großem Mitteilungsbedürfnisses nicht die Lesearbeit ihrer Adressaten reflektieren und daher in völliger auktorialer Autonomie formulieren, was sie gerade sagen wollen – nahezu blindlings im Vertrauen auf das implizierte Interesse der Rezipienten.

 

Lachen Sie lieber nicht. Es gibt Fälle, wo Steifheit, Umständlichkeit und Wischwaschi gefordert sind, z.B. in Geschäftsberichten. Oder in der PR vor allem dann, wenn der Kern eines Satz verdunkelt oder bestimmte Tatsachen in Nebel gepackt werden sollen.

 

(Meistens ist „Vorstandssprache“ immer noch mit vielen Phrasen aufgeputzte Akademikersprache, der Trend ist allerdings rückläufig und geht inzwischen auch in der gehobenen Gesellschaft hin zu mehr Farbigkeit und Verständlichkeit.)

 

Jetzt die Demonstration Nummer drei. Ein Text mit hohem verbalen Drehmoment ...

 

Einfach ist gut. Einfach ist schnell. Ein Text mit Fahrtwind im Haar. Wie viele Kommas ist mir egal. Hauptsache der Gedanke ist kurz. Was sagen über eine schöne Blume? Hier ist mein Tipp. Schreiben Sie nicht: „Diese Blume aus dem Hochland Ecuadors überragt alles durch ihre einzigartige Schönheit.“ Schreiben Sie: „Diese Blume ist unfassbar schön“. Das reicht. Minimieren und einfach das Herz reden lassen, mit Überschwang, Begeisterung, Liebe - Gefühle helfen. Schöne Gefühle machen alles angenehmer. Ihr Text steht da wie ein roter Sportwagen in der Sonne. Warum? Ein gutes Gefühl ist alles. Leser freuen sich, wenn sie sich gut fühlen ...

 

Uff ...

 

Es ging nur um die Demonstration von unterschiedlichem Textgeschwindigkeiten.

 

Generell geht der Trend seit Jahrzehnten zu einem höheren Drehmoment. Zu Verkürzung und Vereinfachung, damit Leser es beim Lesen bequemer haben. Und nicht gleich wieder aussteigen.

 

Sie liegen also richtig, wenn Ihnen eine innere Stimme rät: Lieber etwas knapper, kurze Sätze und Klarheit, Klarheit, Klarheit.

 

Doch jetzt meine Warnung vor zu hoher Textgeschwindigkeit

 

Sprechen und denken Menschen überhaupt so, wie ich das gerade vorgeführt habe?

 

Ich glaube nicht. Ich glaube, Menschen denken weder total verklausuliert noch wie „in der Sonne glitzernde Sportwagen“.

 

Die vorgeführten unterschiedlichen Textgeschwindigkeiten wirken daher beide sprachlich nicht besonders ehrlich. Man spürt die Absichten ...

  • lange Satzgebilde sollen oft beeindrucken oder vernebeln, um Kritik abzuwehren,
  • die typischerweise mit hoher Geschwindigkeit dahin jagenden Werbetexte sollen etwas viel klarer und einfacher erscheinen lassen, als es ist, mogeln also ebenfalls Inhalte am Verstand vorbei. 

Sehr schnelle Texte überfahren die Konsumenten und nicht wenige merken das.

 

Und deshalb warne ich davor, allein aufs Drehmoment zu achten. Der Ton, der Menschen überzeugt, liegt eher ein Stück weit unter der möglichen Höchstgeschwindigkeit.

 

Mit Leichtigkeit und Flockigkeit allein erreichen Sie meistens eben weniger, als Sie mit einem Werbetext erreichen, der a) eine möglichst spezifische inhaltliche Aussage hat, b) die relevant ist und die c) freundlich und verständlich formuliert ist.

Zusammengefasst 4 Tipps

  1. Manchmal sind Stichworte wie bei einer Warenauszeichnung das Beste.
  2. Die Textgeschwindigkeit muss zum Interesse der Menschen passen, zu denen Sie sprechen. Bei einem "Low-Interest"-Produkt beschwert sich niemand, wenn Sie so knapp schreiben wie eine Whatsapp-Nachricht. Bei z.B. einem Bankprodukt kann der gleiche Ton lächerlich wirken und Antipathien erzeugen, weil Sie Ihre Zielgruppe nicht ernst nehmen.
  3. Jeder Satz sollte so leicht verständlich sein wie irgendmöglich, egal wie lang er ist.
  4. Schreiben Sie am besten so, dass Sie die Worte genau so auch Ihren Kunden direkt sagen - oder wenigstens vorlesen - könnten, ohne dass die Kunden glauben, bei Ihnen sei eine Sicherung durchgebrannt. 

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